Tag 18 – Gedanken – Worin lässt sich der Umweltschutz begründen?

Wie angekündigt, geht es nun mit den Gedanken weiter.

Ich sei sehr moralisch, wurde mir letztens gesagt. Es klang in jenem Falle, wie etwas Anzuzweifelndes.  Die Frage die ich mir in Zeiten von selbstgemachtem Zweifel immer wieder stelle: „ Wieso mache ich das hier denn eigentlich? “ Ich kenne genügend Menschen, die es keinen Deut interessiert,  inwiefern sich ihr Verhalten auf die Zukunft ihrer Natur und Umwelt auswirkt. Warum interessiert es mich? Warum sollte es alle Menschen interessieren? Wieso versuche ich die Natur zu schützen, sie zu erhalten?
Ein sehr simpler, offensichtlicher Schlüssel passt meiner Meinung nach zu diesem Schloss: Empathie.

Ich möchte nicht, dass andere Lebewesen unter meinem Handeln leiden müssen.

Selbstschutz spielt denke ich eine Rolle, aber als Motivation eine untergeordnete: Wir fühlen uns sicher, schwimmen im Wohlstand. Die politische Lage unseres Landes ist ziemlich stabil, der Wirtschaft geht es auch super, die Menschen werden immer älter. So schlimm können sich doch also all diese böse Dingen von denen in den Nachrichten gesprochen wird, wie beispielsweise Mikroplastik in unseren Gewässern,  gar nicht auf uns auswirken. Das Mikroplastik, welches als Giftmagnet wirkt, jetzt auch im Hamburger Leitungswasser gefunden wurde, dass scheint nicht allzu sehr zu schockieren. Uns geht es ja blendend. Daher lässt sich der Umweltschutz eben auch nicht mit dem Überlebenstrieb begründen. Wir spüren keine akute Panik. Die Faulheit überwuchert das bisschen Gefahr, welches uns direkt beeinträchtigt.  Doch all die Konsequenzen unseres Handelns werden auf die nachfolgenden Generationen sehr stark einprasseln.
– In anderen Teilen der Erde tun sie das jetzt schon. Unsere Strände mögen vergleichsweise  sein (nicht annähernd sauber genug, außerdem sollte man immer bei sich selbst/regional Probleme anfangen anzugehen), aber die Küsten vor Asien werden nur so von Plastik überspült. Die Haufen zusammengekarrt und verbrannt. Giftige Stoffe schwirren in der Luft herum.
-Auf andere Lebewesen tun sie das jetzt schon. Tiere, die sich in unseren Plastiknetzen verheddern und zu Grunde gehen. Naja, jede*r weiß hier wohl wovon ich rede. Das macht es umso trauriger. Wieso handle ich nicht, obwohl ich die Faktenlage kenne, obwohl ich weiß? Meine simple Antwort: Ich habe es noch nicht zu genüge gefühlt.
Es wird immer so schön davon geredet: „Unsere Kinder oder die Kinder unserer Kinder müssen das dann wieder ausbügeln.“ Motiviert einen dieser Satz zum Handeln? Nicht wirklich, denn diese Argumentation ist eher rational als emotional aufgebaut. Man muss sich in die Kinder hineinversetzen. Wenn man ein Kind verzweifelt vor dem Klima flüchten sehen kann, dann ist man bei einer Quelle zum Handeln angekommen. So ist es bei mir. Ich möchte Leid vermeiden. Aus der Empathie heraus, aus dem Mitgefühl heraus. Ich könnte auch denken: „So what, dann gibt es keine zweite Erde, obwohl wir vermutlich noch eine bräuchten.  Ich kann auf Teufel komm raus leben. Selbstbereicherung. Selbstbereicherung. Selbstbereicherung. Ich will das kaufen. Ich darf das kaufen. Es ist mir egal, dass ich das nicht kaufen sollte.“ Wie ein trotziges Kind. Es ist feige andere Menschen (und andere Lebewesen) unseren Kampf austragen zu lassen. Es ist feige, die Verantwortung loszulassen. Ich weiß, es ist 1000-mal bequemer, leichter, einfacher so zu leben. Denn wenn man einmal die Barriere durchbricht, dann kommt ein ganzer Schwall an (Umwelt)Problemen auf einen zu. Wo soll man dann anfangen? Es gibt nichts, was man an sich selber nicht anzweifeln könnte.
Eine innere Ausgeglichenheit, eine minimale Ignoranz ist nötig und hält die mentale Stabilität aufrecht. Aber man sollte trotzdem immer mal wieder rüber schauen, einen Stein nach dem anderen von der Mauer runter nehmen, sich der Konfrontation aussetzen und dann fühlen, das Leid wahrnehmen.
Ich muss mir im Klaren sein, dass wenn ich Einwegverpackungen konsumiere, weil es einfacher für mich ist, ich es auf Kosten anderer Lebewesen und der Natur tue. Das Ich muss aus dem Zentrum verschwinden, der Egoismus losgelassen werden (Er wird immer noch ein Teil bleiben, ich bereichere mich dann am guten Gewissen der „Selbstlosigkeit“). Man mag das Gefühl haben, dass dieses Einwegplastik doch etwas ist, was sich unsere moderne Gesellschaft hart erarbeitet hat, dass es der Fortschritt ist, etwas was die Menschheit verdient hat, etwas was man sich selber mit seinen Arbeitsstunden verdient hat, um Zeit zu kompensieren. Dieses Recht existiert nicht. Es ist unsere eigene Illusion, eine Illusion die wir als Motivation zum langen Arbeiten nutzen. Ein Belohnungseffekt. Schade nur, dass als das Privilegien sind und wie das so oft ist, sind diese Privilegien nicht gerechtfertigt, nicht rechtmäßig, sondern einfach nur Luxus und hoher Lebensstandard. Der wahre Fortschritt ist ein Rückschritt in Richtung Natur. Die wunderschöne, wilde Natur, schützenswert wegen ihrer überwältigenden, beruhigenden, rohen Schönheit. Schützenswert als Lebensgrundlage für die Menschheit. Der Einklang mit der Natur gibt dem Menschen so vieles wieder, dass er sich daran beinahe so sehr laben kann, wie an all den anderen Selbstbereicherungs-Mechanismen, die er jetzt ersatzweise nutzt. Also keine Sorge, die Zivilisation muss ja nicht gleich aufhören, sondern  sich nur angleichen. So wie es jetzt steht, wird die Ausbeutung der Erde, das achtlose Nutzen der Erde wie ein Bumerang  auf die Menschheit zurückfliegen. Dieses Desaster gilt es zu vermeiden, eben wegen der empathischen Leistung von Menschen und dem Wissen, dass es für den Menschen ebenso viel (Schönheit) zurückgibt.

Puh, das war ein langes Manifest (Ich hätte noch unendlich weiterschreiben können, aber all diese Gedankengänge zu sortieren, ist wirklich kompliziert), ich hoffe, man konnte mir folgen.
Hier noch zwei Anmerkungen/Ausnahmen:
Manchmal ist man vielleicht auch nicht allzu privilegiert inmitten dieser Gesellschaft, nicht gut genug situiert, um sich beispielsweise unverpackte Lebensmittel leisten zu können. Soziale Unterschiede sehe ich definitiv mit als Problem, weshalb man, obwohl man weiß und fühlt, in seinem Handeln eingeschränkt ist.

All diese Gedankengänge sind unabhängig von Modellen wie dem Nihilismus und dem Determinismus zu sehen. Ich verstehe, dass eine solche Einstellung zum Leben, eben das jenes Leben sinnlos oder vorherbestimmt ist, einen absolut lähmen kann und ebenfalls das ganze Konzept „Warum sollte ich die Umwelt schützen?“ auf den Kopf stellt. Aber das zweifelt dann ja nicht nur am Umweltschutz, nech und ist sowieso ein vollkommen anderes Kapitel.

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