Tag 19 und die Tage davor – Auf Irrwegen

Ich schlage meine Augen auf und kann durch die Stoffschicht erkennen, wie sich auf der Zeltplane Tröpflein abzeichnen. Es hat die ganze Nacht geregnet. Ebenso wie gestern Abend, weshalb ich mich wie ein Maulwurf in seine unterirdischen Gänge zurückgezogen habe, heißt mein Zelt und ich sind jetzt ziemlich beste Freunde. Den Kopf kurz herausgestreckt: Ich schnuppere Regenluft, was für ein schöner Duft. Es konnte ja nicht ewig die Sonne scheinen. Dazu muss ich noch sagen, dass ich den Regenschauer perfekt mit dem Fahrrad abgepasst habe. Erst nachdem ich mein Zelt aufgerichtet hatte, fing es an zu regnen. Ich Glückspilz. Glück habe ich sowieso seit Tagen in Stapeln. Gestern standen 8 Bundler*innen vor meinem Hinterrad, die allesamt mehr Fahrradkenntnisse haben als ich, und haben den Hinterreifen mit gekrauster Stirn angestarrt. Das Urteil: Zwei Speichen sind hin. Die Blicke folgten mir noch, als sich all meine lieben Mitstreiter*innen mit wehenden BUND-Flaggen von mir in Schabeutz verabschiedeten. Sie hatten mich nur ein Stück auf dem Weg nach Eutin begleitet. Ab dann ging es alleine mit Karla weiter, die mich dann bei Anja und Familie absetzte, wo ich nur kurz verweilte, aber diese Weile sehr genoss. Im Badezimmer liegt da schon der erste Seifenblock und die Kosmetikprodukte sind alle von Naturfirmen.
Da der Fahrradhändler meinte, er hätte keine Kapazitäten, bin ich mit meinem Fahrrad in jenem Zustand einfach mal bis nach Preetz, kurz vor Kiel, von Lübeck durchgeeiert. Hat geklappt. Wie ihr merkt: Ich lebe ein gefährliches Leben am Limit und habe das richtige Abenteuerfeeling mit an Bord. Dazu kommt, dass ich manchmal wie Glühwürmchen durch die Nacht irre und das Licht suche: In meinem Falle den Fahrradweg. Das ist nämlich gar nicht immer so einfach. Ganz manchmal denke ich, ein Sadist oder eine Sadistin hat diese Fahrradschilder kreiert. Ich skizziere kurz zwei Situationen.

fahrradsituation

Situation 1

Die ratlose Kea weiß nicht wo sie abbiegen soll. Der Waldweg dem sie gefolgt ist, spaltet sich in zwei. Kein Schild das die Richtung weist. „Okay. 50:50.“ Ich strecke meine übernatürlichen Sinne mit unsichtbaren Geisterhänden wie eine Wünschelrute zum Wasseradern finden aus….und wähle den falschen Weg. Ich fahre Weg A entlang, um am Ende ein Schild zu finden, das zu Weg B zeigt. Somit bin ich zwei von drei Seiten eines Dreiecks abgefahren, statt nur einer. Ich schaue mich um, ob irgendjemand der Radschildaufsteller*innen auch noch ein/e Kameraaufsteller*in ist und sich daraus zuhause vor dem PC ein Späßchen macht. Das war nicht der Fall.

Situation 2

Die ratlose Kea weiß nicht wo sie abbiegen soll. Sie rollt etwas näher an das Schild heran und entnimmt dem Schild: „Biege hier rechts ab, dann kommst du genau dort an, wo du hinwillst.“ Schwuppdiwupp, Kea vertraut dem Schild und biegt ab. Über einen großen Bogen und eine langatmige Ampel, kommt sie wieder am Ende der geradeaus führenden Straße an, von der sie einige Minuten vorher rechts abbog. Doof gelaufen oder eher doof gefahren.

Das waren nur zwei Situationen von vielen. Manchmal fährt man im Kreis (Nach strenger Überprüfung meinerseits, bin ich auch da zum Schluss gekommen, dass es an der Ausschilderung lag). Ärgerlich wird es dann, wenn am einen Berg wieder hoch muss oder ganze 5-10 Kilometer zurück muss. Ich fahre nämlich gerade durch die Holsteinische Schweiz. Hier hügelt sich wieder alles. Aber wo tut es das hier eigentlich nicht. Meine bremische Seite hatte vor der Tour noch vor sich selbst geleugnet, dass es weiter oben im Norden zu Berg-und Talfahrten kommen könnte. Nun ja, diese Seite musste nun die Wahrheit erfahren. Es ist nicht alles so wie bei uns: Die höchste Erhebung ist der Deich.

Zusammengefasst: Am Radfernweg kann man noch etwas arbeiten. Wenn Autos die gleichen Bedingungen hätten…Navi: „Fahren sie hier geradeaus nach Berlin. Nun nutzen sie ihre 33,33%ige Chance den richtigen Weg zu wählen. Wähen sie jetzt. Wählen sie jetzt. Sie haben falsch gewählt. Es muss nicht automatisch geradeaus weiter gehen.“ Am besten sind auch die Schilder auf denen ein Fahrrad und ein Pfeil ist, man kommt aber gerade von irgendwo anders aus dem Ort, weiß dementsprechend nicht von den vorherigen Schildern, wohin dieser Pfeil jetzt führt. Denn es gibt ja meistens mehrere Fahrradroute durch einen Ort. Navi: „Sie wollen nach Berlin? Dann schauen wir doch mal. Ah, ich habe eine Straße für Sie gefunden. Hier dürfen Sie Auto fahren. Hier haben Sie die Möglichkeit  geradeaus zu. fahren. Dies ist eine Straße, die sie irgendwo hinführt. Lassen Sie sich doch überraschen.“
Natürlich ist es möglich, wenn man eine detailliertere Stadtkarte hat, sich den Weg selber zu suchen. Irgendwie funktioniert es dann ja letztendlich auch.
Nun denn, genug über meine Irrwege. Weiter im restlichen Text. Mir geht es super.
Ich hatte noch keinen Muskelkater und auch selten Momenten, in denen ich das Gefühl hatte, jemand würde meine Nerven zum Seil springen verwenden und wenn, dann hatte ich das Gefühl, dass meine Nerven eh schon gedehnt genug wären, um das zu ertragen. Auch mein Popöchen hat noch keine Schmerzen, dafür wird das langsam kalt, denn ich sitze wieder im Klohäusschen ,meiner Lieblingsstromquelle auf Campingplätzen.  Dieses Klohäusschen ist ganz nett und man kann es hier einige Zeit aushalten. Nur muss man aufpassen, weil die Wasserstrahlen auf einen Sensor reagieren und  wenn einem Dinge ins Waschbecken fallen, werden sie automatisch nass. Wenn man sich vorbeugt geht der Strahl auch ungewollt an und wen man die Hände drunter hält, dann weigert sich der Hahn.  Campingplatzprobleme. Zusätzlich funktioniert die Dusche „per touch“. Etwas was ein neunzehnjähriges Mädchen auch erstmal verstehen muss. Ich wechsle ich jetzt mal von der Waschbeckenkabine zu einer der besagten Duschkabinen und mache mich startklar. Eine Abhandlung über Campingplatzduschen gibt es vielleicht ein andermal. Jetzt werde ich die letzte Etappe bis nach Kiel fahren, solange meine Speichen mitspielen. Morgen bin ich dann auf dem MUDDI Markt während der Kieler Woche. Ich freu´ mich!

 

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