Tag 19, 20, 21, 22, 23 – Kiel & Co

Es ist 21:00 Uhr und ich könnte so nach hinten fallen und heia heia machen. Dumme Idee, denn ich sitze mal wieder in einem Klohaus, aber dieses Mal in einem sehr gemütlichen. Ich habe sogar einen Babyhocker, auf den ich mich draufpflanzen konnte. Im Schildkröten-Look. Ultracool. Mit dem letzten Rest Energie, schreibe ich nun die Ereignisse der letzten Tage nieder. (Der Beitrag konnte aufgrund sich ergänzenden, gravierenden Internet-und Stromproblemen erst jetzt veröffentlicht werden)

Kiel, hier bin ich!

Dank Thorsten habe ich es tatsächlich bis nach Kiel geschafft. Thorsten kam um die Ecke gebogen und hat mir den Weg geleitet. Der war nämlich schon wieder nicht ausgewiesen. In Kiel kam uns dann auch schon die Flut der Menschen der Kieler Woche entgegen. Untergekommen bin ich mal wieder in einer WG und mir wurde jegliche Abhilfe geleistet: Das nasse Zelt im Hinterhof ausgebreitet, mir Essen verabreicht, die Menschen vom „Drahtesel“ angehauen mein Fahrrad zu reparieren. Mein Packdrahtesel hat jetzt wieder zwei Speichen mehr. Die Weiterfahrt war somit gesichert.
Morgens haben wir dann all unseren Krempel mit dem Lastenrad zum MUDDI Markt hin gekarrt. Unter dem Dach des Zirkuszeltchens und zwischen samtigen Sofas und Sesseln, haben wir unseren Stand errichtet. Unsere Attraktion: Ein Glücksrad. Jede*r konnte sein Glück versuchen: Zack, einmal an der Scheibe gedreht und je nachdem bei welcher Zahl sie stehen blieb, wurde eine passende Frage gestellt. Wenn man die dann noch richtig beantwortet hat, dann konnte man sogar einen wunderbaren, nachhaltigen Preis ergattern. Eine Bambus-Zahnbürste, unverpackte Süßigkeiten, Samenbomben für das Stadtgrün oder auch einen Leinenbeutel „Plastik- weniger ist meer.“
Vorher musste aber unser hungriges Müllmonster gefüttert werden. Mit Weizenkleber (Stärke (Mehl +Zucker) wurden mit Wasser zu einem Brei aufgekocht und das Ergebnis war….klebrig.  Als ein Hund darauf zustürzte und daran schlabberte, konnten wir sagen: „Kein Sorge, das ist komplett ungefährlich.“ Das hat schon was. ) konnten die Besucher*innen Meeresmüll oder selbstgesammelten Müll auf dem Monster festpappen und den leeren Magen des Monsters stillen. So erweiterte sich das Mosaik auf unserem Monster, bis es schließlich gesättigt war.

Für uns war der Abbau angesagt, für andere dann der Aufbau. Abends verwandelte sich der Nachhaltigkeitsmarkt  vom ruhigen Treiben, schlendernden Menschen zu einer wildtanzenden, hüpfenden Abendgesellschaft. Aus den Lautsprechern schallte die Musik über den kleinen Kiel, in dem sich die Häuserfassaden golden scheinend reflektierten. (Sehr kitschig und erinnerte mich doch an die Ristorante-Pizza Werbung. Schlimm, schlimm, wie ausgerechnet sowas im Gedächtnis hängen bleibt. Ich plädiere für Bildung in Fernsehpausen. Das wär doch mal was.) Danach wurde der Müll auch ganz brav aufgeräumt.

Dann, der nächste Tag, am späten Abend……

Der Schock! Düdüdümm. „Ich habe das Zelt draußen hängen lassen. Meine Handtücher auch.“ Tja, das war dann alles klitschenass. Die Kieler Woche wird ja bewusst in die Woche mit dem statistisch gesehen besten Wind gelegt. Anscheinend geht der Regen Hand in Hand mit dem Wind. „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind, bringt den Regen mit, geschwind.“ (Das ist wahre Dichtkunst.) Das Zelt konnte noch etwas trocknen und so habe ich es letztendlich nur klamm eingesteckt. Geht aber alles, konnte ich eben feststellen. Also keine Sorge, Mama, ich komme nicht mit einer Nierenentzündung wieder.  Ansonsten bin ich nun zur Stopfpacktaktik übergegangen, damit kriegt man den Platz am effektivsten genutzt. Am besten stampft man noch einmal mit dem Fuß in die Satteltasche rein und komprimiert das Volumen etwas. Sehr empfehlenswert. Fahrradtaschen wieder ran gehängt, mit den Gedanken immer noch bei all den wundertollen Menschen, die mir hier in Kiel begegnet sind und mich unterstützt haben. Aber: Den Kopf nicht hängen lassen und Abmarsch.

Auf der Fahrt zu meinem Teilzeitbegleiter Dirk und seiner Lütten, wie er immer so schön sagt, bin ich dann in Suchsdorf vorbeigekommen. Das hat mich doch sehr erheitert, wo ich doch vor einiger Zeit noch in Wodorf war. Im Gegensatz dazu, konnte ich den/die Namensgeber*in von Suchsdorf nicht nachvollziehen. Suchsdorf war super zu finden, weshalb ich einen inoffiziellen Antrag stelle, Suchsdorf in Findsdorf umzubennen.
Letztendlich habe ich auch Dirk und die kleine Kristina aufgefunden. Mein Fahrradständer wollte nicht ganz so mitspielen, als ich mein Fahrrad auf dem Hof abstellen wollte. Dirks scharfer Blick erkannte: „Der ist doch gebrochen.“ Es wurde einmal in die Werkstatt spaziert, ein neualter Ständer hervorgezaubert und anmontiert. Ich bin ganz überfordert, von all der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mir auf dieser Tour entgegen schlagen. Vielen Dank auf jeden Fall nochmal! (An alle Mitwirkenden bisher!)
Mit Sack und Pack und Kinderanhänger sind wir dann Richtung Eckernförde gedüst. Während Dirk und ich gequasselt haben, ist Klein-Kristina eingenickt. Dirk versucht gerade über Crowdfunding den „Blauen Drecksack“ zu initiieren, einen festen Müllbeutel, den man dann hier und dort an der Küste erwerben können soll. Also kiekt doch mal in das Projekt rin. (Dies ist eine persönliche Empfehlung.)

Bis nach Schleswig musste ich dann alleine gegen Wind und Wetter ankämpfen. Der Himmel zog sich immer weiter zu und große dunkle Wolkentürme bauschten sich auf, beschlossen aber ein andermal so richtig auf mich abzuregnen, sondern ließen nur ein paar Tropfen auf die Erde fallen. Nun denn: Ich hab den – modern ausgedrückt- bitch fight gegen die wehenden, bösen Böhen zwar gewonnen, aber bin nun auch K.O. Deshalb flüchte ich gleich in mein Zelt, ziehe meine Stinkesocken aus, danach 10.000 Klamottenschichten an, denn sonst klappern Kea die Zähne und mache dann die Äuglein zu. Außerdem habe ich nur außerhalb dieses Klohäuschens Internetz. Morgen kommt dann die nächste Etappe bis nach Leck auf dem Wege nach Föhr.

 

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