Tag 24 bis 27 – Föhr-Fahrt

Ich dachte noch die ganze Zeit, dass ich vielleicht um den Regen herum käme. Fünf trockene Wochen? Doch eher eine Utopie (oder doch eine Dystopie?) in Deutschland.
So kam es dann auch, dass als ich mich Samstag aufs Rad schwang, sich die ersten Regenwolken über mir tummelten. Die Tropfen prallten von meiner Regenmontur ab und ich fühlte mich ganz gut gegen das Kommende gewappnet. Was dann wirklich geschah: Nach fünf Stunden sank meine Körpertemperatur proportional zu meiner Laune. Meine Finger wurden weiß und ich hatte Hunger fern jeglicher Zivilisation. Eisern fuhr ich weiter (Ich hatte auch kaum eine Wahl, denn der Akku schwand genauso geschwind wie die Sonnenstunden und ich hatte einen Zeitplan einzuhalten.), habe die Zivilisation ausfindig gemacht und mich dem Gegenwind als seine größte Gegnerin entgegen gestellt. Ich habe definitiv verloren. Bei Runterfahrten wurde ich gefühlt jeglicher Höhenenergie beraubt und  musste mich anstrengen am Fuße der Hügel anzukommen. Zusätzlich herausfordernd war der Nacktschnecken-Slalom, den ich hinter mich bringen musste, den ich kann es auch nicht über das Herz bringen, einfach über sie rüber zu rollern. Somit lag mein Fahrttempo ca. bei 3 km/h und das auf einer Strecke zwischen 60 km bis 70 km. Somit kam ich nach langen Stunden vollkommen erledigt in Leck an. Aber hey, ich kam an.
Den folgenden Tag blieb der Himmel behangen, aber er beschloss die Tore zu den Schleusen nicht zu öffnen. Gemeinsam mit Karla habe ich es bis nach Dagebüll geschafft. Trotz eines weiteren EC-Kartenverlust (Nicht meine, sondern Karlas, aber sie ist mittlerweile aufgefunden wurden. Ich scheine ansteckend zu sein.) hoppten wir auf die Fähre nach Föhr.
Föhr begrüßte uns mit dem nordfriesischen Schietwetter. In der Ferne kreisten die Vögel am Himmel und krächzen. Trotzdem sammelten sich zum Müll sammeln eine handvoll Leute. Der kleinen Runde habe ich dann einen Input zur Thematik Meeresmüll gegeben. Das wichtige dabei: Die Menschen die mir gegenüberstanden waren selbstkritisch, reflektierend du haben ihre Ohren weit aufgemacht. Ich hatte das Gefühl, in ihnen noch das eine oder andere bewegt zu haben, vielleicht das eine oder andere Kaufverhalten geändert zu haben. Wenn ich so etwas zurückbekomme, dann erfüllt mich das, denn ich habe etwas bewirkt. Mich erfüllt das.
Dann ging es an die eigentliche Arbeit: Müll sammeln. Es war Detektiv*innenarbeit gefordert und die Augen mussten zu Lupen um fungiert werden, den der Täter war beinahe unfassbar. Die kleinen, feinen Fäden von Dolly ropes. Dolly Ropes sind Scheuerschutznetze, die  unter die eigentlichen Schleppnetze heruntergespannt werden, damit diese nicht aufreißen. Sie sind also dazu designed kaputt zu gehen und als Meeresmüll zu enden. An der Nordsee findet man die orangenen, blauen oder schwarzen Fäden recht häufig im Sand steckend. Davon haben wir auch einige Knäule zusammengetragen. Währen des Sammelns kam die Frage auf, inwiefern ich glauben würde, das all das etwas bringt. Ich hätte ja selber gesagt, dass 70% des Meeresmüll auf dem Grund der Ozeane liegen, nur 15% am Strandufer und 15% in der Meeressäule. Meine Antwort darauf: Ich habe angefangen mir vorzustellen, was für Auswirkungen dieser kleine Schnipsel Müll auf ein Tier haben könnte, das es verschluckt oder sich darin verheddert. Bei jedem Müllteil das nicht in der Umwelt liegt, ist die Welt ein Stück besser geworden, ist eine Gefahr mehr gebannt. Es wäre ja auch gut, wenn die 15% am Spülsaum schon mal weggeräumt wären, das ist aj schon Arbeit genug. Natürlich haben wir hier nicht die Mengen, wie in anderen Ländern und es mag sein, dass das Müll sammeln auch ein kleines wenig symbolisch ist. Aber dann hat es trotzdem eine Außenwirkung und weist daraufhin, dass wir vielleicht am Anfang des Problems und zwar der Überproduktion an Einwegprodukten (plus viele Gründe mehr), ansetzen müssen. Ich habe Hoffnung und als einzelner Mensch ist Müll sammeln definitiv ein Weg, um irgendwo anzusetzen.

Meine Zeit auf Föhr war schon wieder vorbei. Vorher stieß allerdings noch mein best fränd Lea dazu, die bis Freitag an meiner Seite radelt und meine Laune zusätzlich aufhellt.
Nachdem fünf Speichen meines Hinterrads im Akkord aufgegeben hatten und ich in der Erwartungshaltung war, gleich auf dem Boden zu sitzen, habe ich mir ein neues Rad einbauen lassen. Das ging schon wieder unglaublich fix und es fährt sich nun auch weniger wackelig. So konnten wir Föhr also verlassen.
Am Hafen sammelte Holger uns dann noch ein und begleitete uns ein Stück auf dem Weg nach Tönning (zu jener Planänderung später im Text). Gemeinsam tuckerten wir durch die flache (Juchei!)Landschaft. Der Wind war uns positiv gesinnt und schob uns von hinten an. Rechts von uns der Blick auf das Brachland, ein unendlicher, beinahe wolkenloser Horizont. Dazwischen wir und …die Schafe. Gemütlich grasend und blökend fläzten die Schafe um uns herum am Deich und ließen sich von uns in ihrem Alltag nicht beirren. Überall Schafe.  Schwarze, braune, weiße, hellbraune, dicke dünne, dünne, kleine (winzig kleine Babyschafe), große Schafe. Schwarze, braune, weiße, hellbraune, dicke dünne, dünne, kleine (winzig kleine Babykühe), große Kühe. Schwarze, braune, weiße, hellbraune, dicke dünne, dünne, kleine (winzig kleine Babypferde), große Pferde. So ging das ewig weiter.
Jetzt zur Planänderung: Wir sind motiviert, das Wetter ist super (Sonnenbrandalarm) und durch das Innenland zu fahren ist eh total kompliziert. Ab jetzt fahren wir das Stück nach Hamburg doch an der Küste entlang. Das sind so einige, erhebliche Kilometer mehr, aber was macht das schon. Heute haben wir Friedrichskoog erreicht. Nächster Stopp: Kollmar. Wünscht unseren Waden Kraft für die nächsten Tage.

 

 

 

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