Tag 32 bis 36 – Endspurt und ein Joghurtglas voller Müll

Die Jugendherberge scheint wie ausgestorben, nachdem die Elefantenherde alias Schulgruppe von dannen ist. Später mehr zu jener Schulgruppe. Ich mache mich dann auch auf den Weg zur Stader Aktion in der Innenstadt.
Die Leinen sind gespannt: Einwegplastik flattert über unserem Stand und zieht die Blicke auf sich. Daneben ist die Mikroplastikpallette aufgestellt oder wie ich gerne sage: Der ganz normale Rossmann-Einkauf. So einige Passant*innen liefen doch leicht panisch auf ihr Shampoo zu und fragten, was das Problem damit sei. In diesem Moment für mich wichtig: Mikroplastik. Aber natürlich spielen auch hormonelle Giftstoffe etc. eine Rolle. Mikroplastik ist in so ziemlich allen Körperpflegeprodukten: Von Lippenstift bis Eyeliner über Sonnencreme, Haargel und natürlich (unnatürlich eigentlich) im Duschgel. Es dient als günstiger Füllstoff, Filmbildner oder wird für die Viskosität dazu geschüttet. Durch seine Oberflächenstruktur wirkt es als Giftmagnet und gelangt natürlich in alle Nahrungsketten, mit bisher wissenschaftlich unvorhersehbaren Folgen (aber man kann sie doch erahnen). Eine App (CodeCheck), Visitenkarten mit Bezeichnungen für Mikroplastik oder ganz oldschool die negativ Liste des BUNDs können einem schnell eine Übersicht verschaffen, welche Produkte man meiden sollte. Was dann dazu führt, dass man die konventionellen Produkte eigentlich alle nicht mehr kaufen will/kann/sollte. Nivea, Balea, CD, Eucerin, Yves Rocher, Kneipp, The Body Shop, Bebe, Clinique, Elcos, Essence, Vichy, Garnier, L´Oréal, Olaz, Adidas, Dove, Duschdas, Isana, HIPP, Palmolive, tetesept, Astor, Catrice, Maybelline, Maxfactor, Manhattan, Lush und auch das liebe Plantur39 verwenden in einigen Produkten Mikroplastik. Meistens ist es Acryltes Copolymer. Für den/die Konsument*in wird die Kaufentscheidung wenig transparent gestaltet. Lavera z.B. hat drauf stehen, dass das Produkt mikroplastikfrei ist. Aber eine Kennzeichnung ist da eigentlich auch nicht die Lösung. Wir sollten da mal ganz schnell mit Schweden mitziehen und das einfach verbieten. So viel dazu. Diese Gedanken, Leinenbeutel und Taschenaschenbecher gaben wir all den Menschen, die an uns vorbei strömten, mit auf den Weg. Als nächstes steuerte ich dann Hechthausen an. Insgesamt 8 Menschen, unter anderem vom ADFC, geleiteten mich dort hin. Mein Weg führte in Himmelspforten vorbei, dem berühmt berüchtigten Christkind-Dorf. Mein Wunschliste für den Weihnachtsmann dieses Jahr: Verbiete Mikroplastik. Schenke mir abbaubares Glitzer. Tja, so könnte die Liste dann unendlich weiter gehen. Aber bis Weihnachten habe ich ja auch noch etwas Zeit. Nun zurück zur Schulklasse. Ein Kommentar war, die Schulklasse würde so viel Müll hinterlassen und im Unterton schwang mit, dass meine Generation sehr achtlos ist. Das mag sein, ich kenne dann auf jeden Fall ne Menge Ausnahmen. Die Schuldzuweisung zu einer Gruppe, ob jetzt zu meiner Generation oder einer anderen, find´ ich nicht okay. Alle haben zur Vermüllung, zum Plastikwahn beigetragen. Ältere Menschen haben mir nun oft genug erzählt, „ dass ihre Generation das ja nicht so gemacht hätte, damals als sie jung waren.“ In meiner Generation war Plastik von Anfang in den Alltag integriert und irgendjemand muss dieses Plastik ja in unser Leben gebracht haben. Ich habe im Mutterbauch auf jeden Fall nicht wild um mich getreten und geschrien: „ICH WILL PLASTIIIIIIIIK.“ Die gesamte menschliche Bevölkerung muss Verantwortung übernehmen. „I`m starting with the wo/man in the mirror.”- Michael Jackson. Wollte ich nur kurz loswerden.
In Hechthausen hat mich dank Eleonore eine 20-köpfige Gruppe aus Jung und Alt empfangen. Viele pfiffige Kinder hatten sich um mich herum gescharrt, den ich dann ein bisschen etwas zum Meeresmüllthema berichtete. Kinder sind so unglaublich empathisch, etwas was man über die Jahre nicht verlieren sollte. Doch stumpft man häufig mit dem Alter ab und fängt nicht bei der Schildkröte im Netz an zu weinen.
Nach einer weiteren Medienwelle, die mich überschwappte (Ich werde jetzt sogar schon öfter auf der Straße erkannt- verrückte Welt), haben mich Eleonore und ihr Mann mit ganz viel Liebe versorgt. Wieder einmal ein wunderschönes Anwesen mit riesigem Selbstanbau: Lupinen, Soja, Gurke, Tomate, Fenchel. Eine unfassbare Vielfalt. Eleonore nutzt ihre freie Zeit wundervoll. Der Garten wird mit Geflüchteten zusammen gepflegt. Off topic und kleiner Einwurf meiner Meinung. Stichwort Geflüchtete. Ich habe jetzt schon ein paar Mal runzelnde Stirnen gesehen und (rassistische) Dinge gehört wie: Ein 19 jähriges Mädchen, ganz alleine, auf dem Rad, campen?!? Nun stellt euch vor: Kein Mensch ist mir im Busch aufgelauert, niemand hat mich belästigt. Sicherer kann man kaum reisen. Alle Geflüchteten Menschen denen ich begegnet bin, sind ganz wunderbare, warme Menschen.
So, nun schon wieder: Der nächste Tag. Eleonore und ich schnacken mit Menschen auf dem Cadenberger Markt und versuchen ihnen die einzelnen Plastiktüten für das Gemüse aus dem Köpfchen zu reden. Hat auch geklappt! Mit einem leicht schmerzenden Knie bin ich dann nach Altenwalde geradelt und bei Ulli eingekehrt. Eine begnadete Künstlerin und Katzenmensch. Ich treffe so viele Menschen, die noch im Alter ihre Prinzipien durchziehen und seit Jahrzehnten eisern gegen Atomkraft demonstrieren. Das gibt mir doch sehr viel Hoffnung.
Mit Hoffnung angetrieben bin ich dann zur Cuxhavener Aktion. Neben dem blauen Klassenzimmer haben wir den Tag lang mit Kindern und Erwachsenen zum Thema Meeresmüll gequizt. Wie lange wird eine durchschnittlich Plastiktüte genutzt? Ca. 25 Minuten. Das ist nix.  Jede Minute landet ne LKW-Ladung Müll im Meer. Mit dem bis heute produzierten Plastik, könnte man die Erde 6-mal in Folie einwickeln. So viele unvorstellbare Fakten. Anschaulich hat es dann Sturmi gemacht: Der Eissturmvogel, der durchschnittlich mit ca. 0,3 Gramm Müll im Magen aufgefunden. Auf einen Menschen hochgerechnet wären das ca. 30 Gramm, was ein Joghurtglas voll ist (Schnuppert flott in die Galerie, da kann man es sehen)
Zu gewinnen gab es kompostierbare Bambuszahnbürsten, die sich dann hoffentlich in den Haushalten einbürgern.
Morgen fahre ich dann zum letzten Halt vor der Endstation Bremen: Bremerhaven.

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