Tag 37 – Gedanken – Natürlichkeit und Künstlichkeit

In den Wochen der Tour sind meine Gedanken so einige Male abgeschweift und ich versuche es, jene Gedanken ein letztes Mal zu formulieren.
Der Mensch sieht sich als der Natur weit voraus, so hochentwickelt, dass er sich nicht mal mehr selber zur Natur zählt. Was er schafft, nennt er künstlich. Was ist aber künstlich? Wie definiert man künstlich? Der Mensch ist ein Tier, das die Ressourcen der Erde nutzt. Es kann also doch eigentlich nur den Begriff natürlich geben, schließlich hat alles einen natürlichen Ursprung. Ist also die Weiterverarbeitung künstlich? Oder machen die Folgen der Weiterverarbeitung natürlicher Materialien diese künstlich? Es können künstliche Parks angelegt werden, es kann aber auch ein künstliches Gesicht geschminkt werden. Wo ist da der Zusammenhang? Meiner Meinung nach liegt der Zusammenhang im Stichwort Kontrolle. Der Mensch hat Dinge gerne unter Kontrolle und passt die Natur deshalb an seine Bedürfnisse an.  Denn so fühlt er sich sicherer. Die emotionale Seite wird unterdrückt, denn sie ist die instinktive, animalische Seite. Die rationale Seite, das Denken, das macht den Menschen so besonders, wird gemeint und führt….zur Kontrolle. Der Weg durch den Park ist einfacher: Die Bäume werden gepflegt und es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keiner umstürzen. Die Wege sind geebnet für den Menschen. Im Falle des Schminkens: Das Gesicht wird kaschiert, den Schönheitsidealen (die auf genau einen Typ Menschen zugeschnitten sind. Die Natur ist eigentlich bekannt für ihre Variabilität. Der Mensch hat lieber einen Prototypen.) angepasst und so lässt es sich leichter durch die Straßen laufen. So wie man selber ist, mag man sich nicht.
Jene Kontrolle findet immer mit Anstrengung statt, man arbeitet entgegen der Natur. Früher oder später backfired die Situation und der Bumerang kommt zurück. Denn die Natur lässt sich nicht nach den Gedanken des Menschens kontrollieren. Sie hat ihre eigene Harmonie, ihre eigne Balance und kontrolliert alles passiv selber. Früher oder später wuchert das Unkraut im Park hindurch und das Makeup lässt seine Spuren auf der Haut zurück.( Obwohl man jene Situationen auch als Kunst auslegen kann. Aber man kann ja alles als Kunst auslegen. Selbst Dinge die ohne Einwirkung des Menschens geschaffen werden. Insofern ist da kein Zusammenhang zwischen Kunst und Künstlichkeit.) In kleinen Systemen ist die Kontrolle sicher aufrecht zu erhalten, aber da die menschliche Kontrolle meistens bei der Rückhaltung der Konsequenzen beginnt, fällt auch das schwer. Der Klimawandel kommt und bringt die Flut mit. Die logische Konsequenz: Es müssen Deiche gebaut werden. Früher oder später bricht aber auch der Deich. Ein sehr simples Beispiel, dass aufzeigt, wir müssen System der Natur nachahmen, so wie bei der Permakultur, quasi mit der Natur den Weg gehen. Der Rückschritt zur Natur ist der einzige Fortschritt, der die menschliche Existenz aufrechterhalten wird. (Es sei denn, es wird doch noch ein anderer Planet gefunden)
Hundekacke gehört nicht in Kotbeutel. Ich weiß, es ist doof, wenn man darauf tritt. Aber wieso sollte man den Kot aus dem natürlichen Kreislauf nehmen und ihn stattdessen in einen Beutel tun. Das ergibt doch keinen Sinn.

Pflanzen aus Plastik zu kreieren. Hä? Das ergibt doch keinen Sinn. Genauso wie Tiere aus Plastik etc. Es sei denn, man betrachtet auch das als Kunst. Aber häufig liegt es doch daran, dass der Umgang mit der Natur verlernt ist. man ist der Natur so entfremdet, dass man ihre System nicht versteht: Wie wässert man dies Gewächs? Tja und dann nimmt man doch lieber eine aus Plastik.

Die Ritzen im Gehweg penibel von all den kleinen Pflänzchen zu befreien? Auch das ergibt für mich keinen Sinn. Das man sich dafür auch noch Zeit nimmt? Wir brauchen doch Pflanzen, sie sind Teil des natürlichen System und die Gehwegplatten sehe dadurch nicht schöner aus. Der Mensch hat sich dort wieder ein perfektioniertes, künstliches (Ich habe jetzt ja immer noch nicht genau definiert, was das ist. ich finde auch schlecht eine Antwort darauf) verkorkstes Schönheitsbild geschustert. Nur so ist das ordentlich. Am besten man Pflaster gleich den ganzen Boden zu, nicht das man noch auf Erde läuft. Urghs, Erde. Das ist doch wirklich eklig, darauf zu laufen. Da müssen auf jeden Fall Schuhe dazwischen. Müssen sie das oder stimmt da was nicht?

Und Shampoo, Shampoo hat weiß, milchig und flüssig zu sein oder durchsichtig in pink. Zum Zähneputzen braucht es auch eine weiße Paste mit blauen oder roten Streifen. Ergibt das Sinn? Ihr ahnt meine Antwort. Wenn man einmal nach einer Kräuter-Zahnpasta sucht, stellt man fest: Huch, die ist ja bräunlich. Als erstes empfindet man das als befremdlich, etwas eklig vielleicht auch und nicht allzu reinlich. Dann stellt man fest, dass da das eigene Gehirn manipuliert wurde, damit irgendwelche Menschen Geld daran verdienen, wie man sich die Zähne poliert. Andauernd hat der Mensch Vorstellungen, wie etwas zu sein hat und bekommt es natürlich auch im ewigen Kreislauf eingetrichtert. Schon ist Mikroplastik zum Duschen und Säubern normal. So geht das weiter, bis keine*r mehr weiß, wie es mal war und was natürlich ist.

Ich denke, ich habe das jetzt zu genüge mit Beispielen und Gedanken ausgeschmückt und daraus kann meine vorherige Vermutung geschlussfolgert werden: Die Kontrolle, die der Mensch vermeintlich über Werte & Normen wie Einheit, Ordentlichkeit etc. gewinnt, ist die Künstlichkeit. Das Reinzwängen von natürlichen Prozessen in Grenzen. Die Natur ist grenzenlos. Die Natur ist all die ewig vor uns existierende Umgebung und gibt uns alles zum Leben. Deshalb sollten wir mit der Künstlichkeit aufpassen und nach ihr suchen, sie aufdecken und versuchen zu ersetzen. Achtsamkeit ist wichtig. Empathie und Emotionalität sind wichtig (Siehe dazu die Gedanken zur Begründung des Naturschutzes)

Nun dies ist das Ende meiner Abhandlung, die hoffentlich nicht allzu wirr war. Komplett sind diese Gedanken nie und was richtig und falsch ist, kann man eh schwer definieren. Ich habe alles aus meiner Perspektive allgemeingültig geschrieben, sehe aber keinen Anspruch der Allgmeingültigkeit durch meine Argumentation. So sehe ich die Dinge und das war ein klitzekleiner Einblick.

Kleine Zwischenanekdote: Ich sitze hier im Aufenthaltsraum vom Campingplatz. Es läuft Fußball: 15 Menschen sitzen im Raum. Die Tagesschau beginnt: 2 bleiben über. Was man daraus wiederum Schlussfolgern kann, kann sich jede*r jetzt selber überlegen. Was ich dazu denke, bleibt in meinem Kopf.

2 Kommentare

  1. Huhu Kea,
    wunderbar, deine Ideen haben die Tour de Meeresmüll zu einem tollen Erfolg gemacht. Mit Vergnügen habe ich eben die Sendung von dir bei Hallo Niedersachsen gesehen – es ist herrlich und erfrischend konstruktiv wie du dieses Thema Müll aus deinem Blickwinkel siehst. 1000 km, das sind bestimmt 1000 Eindrücke, die du gesammelt hast.
    Kea rettet die Welt! und gewinnt viele Mitstreiter.
    Vielen Dank für deine tolle Tour – mach weiter so!
    Gaaanz herzliche liebe Grüße
    Manfred

    Gefällt 1 Person

    1. Hallihallo Manfred,
      jaja, ich habe wohl durchaus eine Öffentlichkeit erreicht. Eineer diser 1000 Eindrücke bist auch du, gaaaanz vielen Dank für die superduper Unterstützung! ich komm nochmal vorbei irgendwann 🙂
      Die allerherzlichsten Grüßchen an dich zurück,
      Kea

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s